Mondsee zieht Notbremse gegen Bauwut
Ein sichtlich genervter Bürgermeister Wendtner. © N. Blaichinger

Mondsee zieht Notbremse gegen Bauwut

Man muss die Frage so direkt stellen, wie sie zu stellen ist. Wer regiert in Mondsee? Die Politik oder die Immobilienfirmen oder die Bauträger?

Tatsache ist: Am Gemeindeamt der Marktgemeinde Mondsee liegen derzeit Bauansuchen, Skizzen und Entwürfe für rund 200 Wohnungen auf. „Ich sage einmal, Wohnungen als Eigentum unter 5000 Euro gibt es praktisch nicht mehr, und das ist für den Normalbürger nicht mehr leistbar“ sagt ein sichtlich genervter Mondseer Bürgermeister Josef Wendtner im OÖN-Interview. Aber was tun? „Wir müssen etwas tun“, so Wendtner, und deshalb hat der Gemeinderat einstimmig mittlerweile die Notbremse gezogen und über die neuralgischen Zonen eine „Bausperre“ (eigentlich ein Neuplanungsgebiet) über den Raum Luitholdstraße, den Marktplatz und den Bereich von der Rainerstraße/Franz Kreutzbergerstraße bis zum See verhängt.

Damit kann die Gemeinde zwar Baumaßnahmen vier Jahre lang bremsen und danach per Bebauungsplan auch Auswüchse bei Geschoßzahl und Baufluchtlinien bremsen, aber das Problem geht tiefer. „Ich habe das Gefühl, etliche Menschen haben es noch immer nicht kapiert, dass wir dem Bauwahnsinn Einhalt gebieten müssen.“ Ob er damit aber in seiner Partei, der angeblichen Wirtschaftspartei ÖVP, und den anderen Fraktionen Gehör findet, bleibt abzuwarten. Dass es in Mondsee praktisch nur mehr ein Thema gibt, nämlich diesen einst lieblichen Ort mit Beton zu überziehen, macht Wendtner Sorgen. Kürzlich kam ein neues Projekt dazu: Ein Mondseer Unternehmer möchte auf seinem Areal ein Objekt mit 42 Wohnungen und geschätzten 84 Tiefgaragenplätzen errichten, lässt Wendtner wissen. Doch daraus wird wegen der verhängten Bausperre zumindest derzeit nichts werden. Tatsache ist, dass auch die Infrastruktur zu berücksichtigen ist, von der Krabbelstube bis zum Seniorenwohnheim. „Das extrem starke Wachstum tut uns nicht gut“, ist der Bürgermeister überzeugt.

Mitterbauergründe beim ehemaligen Fußballplatz

Auf diesen will ein erfolgreicher Steuerberater ein neues Bürogebäude errichten. In dessen Besitz befindet sich ein Teil der so genannten Mitterbauer-Gründe und soll von Grünland in Bauland umgewidmet werden. „Ich habe versprochen, dass ich Umwidmungen nur mehr im öffentlichen Interesse unterstützen werde“ sagt Wendtner. Ob er das durchbringt, steht aber in den Sternen. Angeblich gehen die Meinungen quer durch die Parteien. Bei der Gemeinderatssitzung am 4. Juli soll die Entscheidung über die Umwidmung fallen. Wendtner fürchtet, dass hier eine Tür geöffnet würde, die nicht mehr geschlossen werden könne.

„Ich bin gespannt, wie die Gemeinderäte entscheiden. Ich habe mich jedenfalls schon festgelegt“, sagt der Mondseer Bürgermeister.

Norbert Blaichinger