Herzliches Engagement für Geflüchtete aus der Ukraine

Als die ersten Ukraine-Flüchtlinge in Mondsee eintrafen, suchten Pfarrer Reinhard Bell und die Bürgermeister des Mondseelandes eine Ansprechperson für das Camp und fanden in der früheren Hauptschuldirektorin und Oberschulrätin Annelu Wenter eine bereitwillige Helferin.

Die sportliche 79jährige mit der Kondition eines Leichtathleten gilt als herzlich, sozial, vor allem aber als durchsetzungsfähig und zäh im Verhandeln. Eigenschaften, welche die praktizierende Katholikin zur Idealbesetzung in Sachen Koordination machen. „Ja, ich weiß, wo ich anrufen kann und damit Erfolg habe“, sagt sie. Und Erfolg hatte sie vom Beginn ihres Engagements an. Derzeit seien im Mondseer Flüchtlingscamp (ein Containerbau) rund 100 Personen (überwiegend Frauen und Kinder) untergebracht, und dazu würden noch ca. 50 Personen in Privatquartieren der Umgebung kommen, sagt Wenter. Ein knappes Dutzend werde in den Schulen des Mondseelandes unterrichtet. Die Erwachsenen erhalten Deutschunterricht in Kursform. Derzeit sind knapp 40 Personen in drei Kursen untergebracht. Der Unterricht findet im Vereinsheim des Alpenvereins statt.

Hilfsbereitschaft „überwältigend“
Die Bevölkerung sei unglaublich positiv den Ukraine-Flüchtlingen gegenüber eingestellt, sagt die nimmermüde Organisatorin. Und: Die Menschen im Mondseeland seien sehr hilfsbereit. „Wir haben in kürzester Zeit bekommen, was gerade benötigt wurde: Kinderwagen, Fahrräder, Kleidung, Geschirr, Spielsachen und sogar Auto-Kindersitze“, sagt Wenter. Es gäbe aber auch Einzelfälle, wo sich Menschen mit der Situation im Camp nur schwer abfinden könnten, weil sie so gar nicht ihrer früheren Lebenssituation entspricht. Und einige seien auch schon wieder in ihre Heimat zurückgegangen.

Annelu Wenter selbst ist seit 2015 in der Flüchtlingshilfe engagiert. Damals im Auftrag der Pfarre, die sich unter der Leitung von Pfarrer Dr. Wageneder vehement für die Flüchtlinge, „unsere Gäste“, einsetzte. Seit früher Kindheit habe sie sich für Entwicklungshilfe, Mission und andere Kulturen interessiert. Und trotz der momentan wirklich tristen Situation gibt sie ein ermutigendes Zeichen: „Im Moment ist das Entgegenkommen der Menschen viel weitläufiger und breiter als 2015.“

Norbert Blaichinger