Rettende Tat sollte für Kölbl den Tod bedeuten

Die kampflose Übergabe Mondsees an die Amerikaner kostete Bürgermeister Ludwig Kölbl beinahe das Leben! Von Norbert Blaichinger

MONDSEE/ZELL AM MOOS. Der 2. Weltkrieg war schon lange verloren, doch Reste fanatischer Nazis rissen die Marktgemeinde und das Mondseeland beinahe noch in eine Katastrophe. Es waren Männer der SS, die gegen Kriegsende in Mondsee auf ihrem Rückzug Quartier nahmen und sich anschickten, die Marktgemeinde gegen die anrückenden Amerikaner zu verteidigen. Ein sinnloses Unterfangen, und doch wurden, so steht es im Heimatbuch Mondsee von Walter Kunze auf Seite 145 zu lesen, bei der Teufelmühle, beim Schlössl und bei der Mündung des Diestelbaches Panzersperren errichtet. Auch im benachbarten Zell am Moos glaubte man, die US-Soldaten in der Kastanienallee bei der so genannten „Lehrer-Reib’“ mit einer Panzersperre aus Baumstämmen aufhalten zu können. Diese wurde letztlich aber nicht mehr errichtet. Es stand Spitz auf Knopf. Mit ein paar Baumstämmen und ein paar mit Panzerfäusten bewaffneten Jungen (ab 16) und Älteren (über 60) die US-Soldaten aufhalten zu wollen, das war nicht Mut, sondern Dummheit und Fanatismus. Die Amis hätten wohl in dem Fall, dass einer der ihren gefallen wäre, Zell am Moos in Schutt und Asche geschossen.

Todesurteil für Bürgermeister Kölbl.
Wie dramatisch die Situation auch in Mondsee war, zeigt die Ausgabe 1/1945 des amtlichen Organs „Mondseer Nachrichten“ vom 8. Mai 1945. Darin wird berichtet, dass Bürgermeister Ludwig Kölbl im Einvernehmen mit der österreichischen Freiheitsbewegung den Amerikanern die kampflose Übergabe der Marktgemeinde angeboten habe und dafür von den Nazis zum Tode verurteilt worden war. Tatsächlich tauchten drei Mann (einer in Zivil, zwei Wehrmachtsangehörige) mit einer Beiwagenmaschine beim Gemeindeamt auf und wollten die Verhaftung Kölbls durchführen. Der hatte aber vorsichtshalber das Gemeindeamt kurz vorher verlassen. Die österreichische Freiheitsbewegung wurde alarmiert, entwaffnete die drei Männer und ließ sie laufen. Wenig später folgte ein erneuter Anruf, in dem es hieß, „dass Mondsee in Flammen aufgehen werde, wenn der Bürgermeister nicht innerhalb einer halben Stunde ausgeliefert werde“ („Mondseer Nachrichten“). Die österreichischen Freiheitskämpfer ließen sich allerdings nicht einschüchtern, besetzten die Ortseingänge und bereiteten Maßnahmen gegen einen eventuellen militärischen Angriff von deutscher (!) Seite vor.

Am 6. Mai gegen Mittag rückten amerikanische Panzer und rund eintausend GIs in der Marktgemeinde ein. Aufgehalten hat sie niemand mehr, wodurch ein letztes Blutvergießen verhindert wurde.

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