Camping im Mondseeland

Camping im Mondseeland

Auch der Tourismusverband Mondsee-Irrsee - ist tagtäglich mit dem Thema "Campen" konfrontiert. Deshalb hier nun ein Statement von Thomas Ebner, dem Geschäftsführer des Mondseer Tourismusbüros.


Täglich werden wir im Tourismusverband auf die Zustände des „wilden Campens außerhalb von Campingplätzen" hingewiesen mit der Bitte „doch etwas zu tun". Daher in ein paar Zeilen eine etwas umfangreichere und wertfreie Information über den Status quo und ein möglicher Blick in die Zukunft.

Grundsätzlich handelt es sich bei dieser Thematik nicht um ein Problem der Gemeinden des Mondseelandes, sondern um ein salzkammergutweites. Wir sehen im Mondseeland seit etwa 2015 einen kontinuierlichen Anstieg der Straßen-Zulassungen von Caravans, Wohnmobilen und Campinganhängern, erneut befeuert durch die Pandemie. Gleichzeitig haben die Campingplatzbetreiber rund um Mondsee und Irrsee massiv in den Ausbau von Stellplätzen investiert. Ein paar Zahlen: im Kalenderjahr 2015 zählte das Mondseeland 33.433 Campingnächtigungen, 2021 waren es 70.562 - mehr als eine Verdopplung in 7 Jahren. Allein im Juli 2022 waren es 26.520 Campingnächtigungen bei 77.495 Nächtigungen insgesamt - daher rund ein Drittel aller Nächtigungen im Mondseeland. Die Konsequenz ist, dass unsere 6 Campingplätze in der Region bis ca. Mitte September bis auf den letzten Platz ausgebucht sind. Die Situation ist an den anderen Salzkammergut-Seen exakt gleich.

Das hat zur Folge, dass unser Infodienst jeden Tag nicht nur böse E-Mails Einheimischer bzgl. des Wild­Campens beantworten muss, sondern tagtäglich auch verzweifelte Camper am Telefon/im Büro hat, die einen Standplatz auf einem Campingplatz suchen. Wir geben dann die Empfehlung ab, es auf Campingplätzen außerhalb des Salzkammergutes zu versuchen. Offenbar ist es in den Köpfen der Neo­Camper noch nicht angekommen, dass ein Fahren ins Salzkammergut ohne vorab reservierten Stellplatz einen Aufenthalt auf einem Campingplatz unmöglich macht.

Das so genannte Weyerfeld: der oft genannte Vorschlag doch eine Gebühr bei den Campern einzuheben ist ein Ansatz. Allerdings muss man wissen, dass aufgrund einer Gebühr das Weyerfeld sofort zu einem„offiziellen" Campingplatz würde. Campingplätze unterliegen jedoch bestimmten gesetzlichen Regelungen und Auflagen, benötigen eine behördlichen Genehmigung und müssen bestimmte Ausstattungskriterien aufweisen. Die Stellplätze müssen befestigt sein, sodass auch nach einem Gewitterregen die Fahrzeuge die Wiese verlassen können, Strom und Wasser muss ebenso bereitgestellt werden, wie sanitäre Anlagen (WC, Dusche), geeignete Erste-Hilfe- und Löscheinrichtungen, Möglichkeit der Entleerung der Abwassertanks, sowie eine Abgrenzung zu den Nachbargrundstücken. Außerdem braucht ein Campingplatz eine Sonderwidmung „Camping" im Flächenwidmungsplan, beschlossen durch den Gemeinderat. Beim Weyerfeld kommt noch hinzu, dass die Marktgemeinde Mondsee nicht Eigentümer der Wiese, sondern Pächter ist. Das Gegenteil wäre die Camper zu strafen und zu vertreiben - auch dies funktioniert aufgrund mangelnder Rechtsgrundlage nicht - mehr dazu später.

Es fehlen schlicht und einfach Stellplatz-Kapazitäten - doch wie neue schaffen, wenn die bestehenden Campingplätze flächenmäßig das Maximum ihrer Größe erreicht haben? Mit dem neuen Campinggesetz, veröffentlicht Ende Juni 2021, gibt es auch Möglichkeiten so genannte Kleinstcampingplätze für max. 3 Wohnwägen zu schaffen, die nicht die Ausstattung normaler Campingplätze brauchen. Über diese Möglichkeit haben wir uns sehr gefreut und rd. 10 Landwirte in der Region haben für diese Möglichkeit Interesse bekundet. 30 zusätzliche Stellplätze wären hier möglich gewesen. Der Haken - auch bei diesen so genannten Kleinstcampingplätzen darf der Naturschutz eine Stellungnahme abgeben, die innerhalb der so genannten Seeuferschutzzone (500m von den Seeufern) negativ ausfällt - Grund - Schutz des Landschaftsbildes. Auf meine Gegenfrage, ob es für das Landschaftsbild schöner ist, wenn die Camper am Seeufer zwischen Scharfling und Plomberg stehen oder geordnet bei einem landwirtschaftlichen Hof in der Region konnte keine Antwort gegeben werden. Daher diese win-win Situation - mehr Stellplätze und Zusatzeinkommen für landwirtschaftliche Betriebe - ist (noch) nicht möglich. Hier wird es weitere Gespräche geben müssen.

Die Camping-Apps: wir kämpfen im Tourismusverband wöchentlich mehrere Mitarbeiter-Stunden mit dem Versuch der Berichtigung von so genanntem „user-generated content". Ein Fluch des Internets, welcher nicht nur Camping-Apps betrifft. Auf Mountainbike-Portalen finden sich illegale Trails, alpine Wanderwege werden als „leichte Feierabendtour" gekennzeichnet. Das Seefest Mondsee wurde mit falschen Informationen von Unbekannten als Veranstaltung auf Facebook angelegt und hat für böse Rückmeldungen gesorgt. Manche Portale spielen mit und berichtigen nach unseren Hinweisen die von Usern falsch eingegebenen Informationen, manche Portale ignorieren jeden unserer Versuche Informationen richtig zu stellen. Das ist bei Camping-Apps bzw. Camping-Portalen/-Foren nichts anderes.

Aus unserer Sicht braucht es im ganzen Salzkammergut einheitliche Regelungen bzgl. des Campens. Gemeinden (und davon betrifft es mehr als 50) haben grundsätzlich die Möglichkeit per ortspolizeilicher Verordnung das Campieren außerhalb von Campingplätzen bzw. an bestimmten Plätzen zu untersagen. Dieses Verbot kann auch von der Polizei kontrolliert werden. Die Polizei braucht aber auch ausreichend personelle Kapazitäten, um etwaige Verbote durchzusetzen. Einheitlich deshalb, damit das Problem nicht von einer Gemeinde in eine andere verlagert wird.

Was es viel dringender braucht, und hier sind die Tourismusverbände im Salzkammergut mit Know-How und finanziellen Mitteln gefragt: eine umfassende Kommunikation der Regelungen für Camper im Salzkammergut. Diese müssen einheitlich, deutlich und mehrsprachig in allen einschlägigen Campingmedien (Print und online) sowie vor Ort kommuniziert werden. Zusätzlich werden mit Hilfe der Kommunalpolitik Gespräche mit Naturschutz geführt werden müssen, um zusätzlich Stellplätze bei interessierten landwirtschaftlichen Betrieben zu schaffen. Jeder Interessent einen Campingplatz zu vergrößern oder neu zu betreiben wird selbstverständlich unterstützt. Andenkbar wäre eine Echtzeit­Auslastung der Campingplätze im Internet und vielleicht sogar vor Ort (wie ein Parkleitsystem) - hier sind allerdings auch die Campingplätze gefordert ihre Kapazitäten zu digitalisieren, wobei unter Umständen auch Campingplätze außerhalb des Salzkammerguts einzubeziehen sind. Entsprechende Förderungen soll es dafür vom Land Oberösterreich geben, für deren Lukrieren wir selbstverständlich Hilfestellung leisten können.

Noch ein Satz zur Wertschöpfung: das so genannten Tourismussatellitenkonto der Statistik Austria beziffert jede Gästenächtigung unabhängig von der Kategorie mit einer Wertschöpfung von EUR 160,- / Nacht. Auf das Jahr 2021 umgelegt und nur registrierte Campingnächte auf unseren Campingplätzen gerechnet macht dies eine Wertschöpfung für die Region von rd. EUR 12.000.000,-. Auch nicht nichts.

Ende August wird es eine Besprechung der Tourismusverbände und größten Campingplatzbetreiber im Salzkammergut geben, wo wir gerne Lösungsvorschläge erarbeiten und diese anschließend mit allen Salzkammergut-Gemeinden diskutieren. Dabei fließen auch Ideen von Studierenden der FH Salzburg, Studiengang Innovation und Management im Tourismus ein, die ich im Wintersemester 2021/22 bei einer Projektarbeit genau zu diesem Thema begleiten durfte. Für den Rest dieser Saison bitten wir um ein pragmatisches Miteinander von Campern und Nichtcampern.

Thomas Ebner
Geschäftsführer Tourismusverband Mondsee-Irrsee