Oberhofener Altbäuerin erzählt

Oberhofener Altbäuerin erzählt

OBERHOFEN. Die alte „Hoarbringerin“ über Hausgeburten, Bauernarbeit und so manche Anekdote mit ihren fünf Kindern.

Mit 91 Jahren ist Theresia Mayrhofer schon im Spätherbst ihres Lebens angekommen. Aus ihrem Leben weiß sie noch viel, erzählt auch gern und lacht viel. Dabei war das Leben der „Hoarbringers“ (der eigentliche Hausname ist Harberger) wie das vieler Bauern von jener Bescheidenheit geprägt, die man in Zeiten wie diesen wieder erahnen mag. Theresia, geborene Jedinger, stammt aus Straßwalchen, wo sie auch acht Jahre die Volksschule besuchte. Dann war sie drei Jahre als „Dirn“ (Magd) auf einem Bauernhof.

Heirat und Familiengründung
1954 heiratete Theresia den „Hoarbringer-Bauern“ Alois Mayrhofer, ein Jahr später kam der älteste Sohn Alois zur Welt. „Er ein richtiges Bröckerl mit 5,10 Kilo und einer Länge von 60 Zentimetern“, erinnert sich Theresia. Die Geburt war wie auch die nächsten vier eine problemlose Hausgeburt, unterstützt von der Hebamme Angela Schweighofer. „Sie kam immer mit dem Motorrad, und im Winter musste sie halt durch den tiefen Schnee waten“, lacht die Áltbäuerin. Hans, Sepp, Theresia und Annemarie waren die nächsten Kinder. Bauernarbeit war und ist bis heute Familienarbeit. So musste der kleine Alois sofort mit aufs Feld und bekam die Bauernarbeit vom Kinderwagen aus mit. Nach einem Jahr freilich übersiedelte er bereits in den Leiterwagen, weil sein Brüderlein Hans den Kinderwagen brauchte.

Für Theresia war das Leben am Hof eine Herausforderung. Im Originalton: „Nach der Feld- und der Stallarbeit – ich habe bis zu zwölf Kühe hintereinander gemolken - folgte noch die Hausarbeit. Das ging meistens bis 23 Uhr am Abend. Und am nächsten Tag war wieder dasselbe. Oft hatten wir auch zwei Wochen lang überhaupt kein Geld.“ Die Einkünfte waren generell bescheiden. Das Milchgeld alles andere als sahnig, hie und da ein paar Scheine für ein Kalb, das war es dann.

Ein autarkes Bauernleben
Dies bedeutete, dass die Höfe ihre Ernährung aus dem bestritten, was sie selbst produzieren konnten. Zugekauft wurden nur Zucker, Kaffee oder Salz. Das Brot wurde im eigenen Backofen gebacken, das „abgestochene“ Schwein (beim „Hoabringer“ kam der bekannte alte Speckbauer als Sauabstecher), lieferte Fleisch in den verschiedenen Formen, das Blut wurde zu Blutwurst, das Obst von den eigenen Bäumen wurde zu Marmelade, Most und Schnaps verarbeitet. Butter und Käse kamen von der Kuhmilch. Entsprechend war das, was auf den Tisch kam. Milchsuppe mit Brot oder Kartoffeln, hie und da ein Braten mit Knödeln.

Dass sie alles so geschafft hat, entlockt der Altbäuerin Theresia ein Lächeln. Die Kinder sind verheiratet, haben Familie und gesicherte Existenzen. War die Altbäuerin Theresia früher noch etwas in die Bauernarbeit eingebunden, so betrachtet sie die Entwicklung heute aus der Distanz. Obwohl noch rüstig, spürt sie auch ihr Alter und sagt: „Es wird nicht anderes, wenn man jammert.“

Norbert Blaichinger