Taubstumm, aber beliebt und anerkannt

Matthias („Schmied Hias“) und Maria („Maridl“) Stemeseder fanden im Haus der Familie Stabauer in Zell am Moos bis zu ihrem Lebensende eine fürsorgliche Bleibe.

Mitte der 1950er Jahre hatte das frisch vermählte Ehepaar Johann und Mathilde Stabauer das Haus zwischen dem Kaufhaus Pillinger und und der „Staberlmacherei“ Gaderer, also mitten im Dorf, gekauft. Zum Haus gehörte auch eine alte Schmiede, die der Vorbesitzer Stemeseder betrieben hatte. Stemeseder hatten fünf Kinder. Drei fielen im Krieg, die anderen zwei – Matthias und Maria – waren taubstumm. Beim Hauskauf der Stabauers war Bedingung, dass sich die neuen Besitzer um die beiden Behinderten kümmern mussten.

Unglaublich viel Fürsorge.Hias 2
In den 1950er und teils noch in den 1960er Jahren war das Geld überall knapp. Dennoch kümmerten sich die Stabauers rührend um Matthias und Maria und zogen noch drei eigene Kinder (Hans Gertraud, Franz) groß. Als das Haus der Stabauers dann erneuert worden war, stand mitten im Ort ein großes schmuckes Haus, übrigens eines der ersten mit Balkon. Matthias und Maria bekamen eine kleine Wohnung und wurden auch von Hausfrau Mathilde (siehe Foto rechts) bestens versorgt.

Während Maria die Öffentlichkeit scheute (sie arbeitete am liebsten an Fleckerlteppichen, die sie zu Dutzenden herstellte), war der „Hias“ ein geselliger Mensch. Gern suchte er die Menschen auf, auch in den Wirtshäusern. Da konnte er zeigen, was er konnte. Er wusste praktisch von allen Menschen in Zell am Moos die Geburtsdaten, und er freute sich, wenn er mit seinen Kenntnissen für Staunen sorgte. Zu seinen Auftritten in der Öffentlichkeit gehörte auch jener als einzelner „Sternsinger“, wo er in den Häusern etwas Geld bekam.

ZellamMoos2Matthias, der beliebte „Schmied Hias“, ist 2005 verstorben, seine Schwester Maria war ihm schon 1986 vorausgegangen. Mathilde Stabauer, die fürsorgliche „zweite Mutter“ der Geschwister, verstarb im Jänner 2016 nach kurzer Krankheit.

Norbert Blaichinger

Diese Geschichte stammt aus dem Buch „Zell am Moos 2“ von Norbert Blaichinger (Innsalz 2016), erhältlich bei Trafik Schwaighofer (Mondsee), Trafik Lettner und Postpartner Eppel (Zell am Moos), Verlag Aumayer (Munderfing) und im Buchhandel.

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