Mit voller Wucht gegen die Wand

Mit voller Wucht gegen die Wand

Die Krise hat jeden von uns getroffen! Dieser absolute Stillstand unserer Gesellschaft war bzw ist auch für den Tourismus in unserer Region, allen voran Geschäftsführer des TVB Mondsee - Thomas Ebner, keine leicht zu händelnde Sache. Trotz all der Probleme, Verordnungen und Komplikationen kann man diesem Lockdown aber möglicherweise sogar etwas Gutes abgewinnen - wie sein Blick auf die derzeitige Lage zeigt.

ML24: Thomas, 8 Wochen nach dem Shutdown - wie schätzt du die Situation rund um den Tourismus persönlich ein?
Thomas Ebner: „Darf ich mit einer Metapher antworten? Das Auto „Tourismus“ ist mit 130 kmh gegen die Wand gefahren aber es gibt gottseidank keinen Totalschaden. Das Auto ist ramponiert und zerbeult, ein paar Teile fehlen noch und ein paar Teile werden auch zukünftig nicht mehr erhältlich sein. Aber das Auto fährt jetzt langsam und bedächtig wieder mit Zuversicht in die Zukunft. Ich gehe davon aus, dass wir Stück für Stück die Geschwindigkeit wieder steigern können. Wann wir allerdings die zulässige Höchstgeschwindigkeit wieder erreichen ist heute noch nicht zu planen.

ML24: O.k., das hört sich doch leicht optimistisch an - wenn es zumindestens kein Totalschaden ist.
Thomas: Die Auswirkungen auf unsere touristischen Betriebe und unsere Freizeitbetriebe sind im Moment schwer abzuschätzen. Außerdem ändern sich die Rechtsgrundlagen in allen Bereichen in einer noch nie dagewesenen Geschwindigkeit. Hier den Überblick zu behalten ist wahrlich eine Herausforderung.

MONDSEE TVB

Trotzdem nähern wir uns vorsichtig dem Licht am Ende des Tunnels und wir können Stück für Stück alle Freizeitaktivitäten sowie die touristische Infrastruktur wieder hochfahren. Was mich positiv stimmt ist, dass die Bevölkerung in den letzten Wochen unseren Lebensraum rund um Mondsee und Irrsee in seiner gesamten Qualität schätzen gelernt hat. Ich habe selten so viele Menschen beim Wandern, Radfahren, Spazierengehen getroffen wie in den letzten Wochen. Im Alltagstrott vergessen wir leider oftmals gerne darauf, dass wir in einer einzigartigen Umgebung wohnen, leben und arbeiten dürfen. Wenn wir es als Gesellschaft schaffen unseren Lebensraum mit all seinen Möglichkeiten, seien es Freizeitaktivitäten, Produkte aus der Region oder die unterschiedlichen Landschaften auch zukünftig zu erhalten und ihn mit Stolz und Freude auch interessierten Gästen präsentieren, sind wir auf einem guten Weg.

Zusätzlich haben wir nunmehr die Sicherheit um wieder mit entsprechenden Werbemaßnahmen für einen Urlaub rund um Mondsee und Irrsee zu beginnen.

ML24: Wie wird der Sommer in Mondsee für die Einheimischen und die Gäste der Region aussehen?
Thomas: Der Sommer 2020 wird anders sein. Veranstaltungen sind Stand heute nicht möglich. Wir verlieren dadurch viel, was das lebendige und liebenswerte Leben rund um Mondsee und Irrsee ausmacht. Aber wir dürfen trotzdem nicht auf das Miteinander und die Geselligkeit vergessen. Besonders leid tut mir die Einschränkung der Veranstaltungen für unsere Vereine und Institutionen, für die die Veranstaltungen ja eine wesentliche Einnahmequelle und/oder der Vereinszweck sind.

Unsere vielfältigen Freizeitaktivitäten werden beinahe uneingeschränkt möglich sein. Dadurch, dass wir nicht von Veranstaltung zu Veranstaltung eilen können, finden wir hoffentlich als Einheimische und als Gäste die Zeit und vor allem auch die Muße, Neues rund um Mondsee und Irrsee zu entdecken. Sei es weiße Flecken auf der Mondseeland-Landkarte durch Erwandern eines unbekannten Wanderweges zu beseitigen oder einmal eine neue Freizeitaktivität auszuprobieren.

TVB MONDSEEBei unseren Gästen wissen wir aus Befragungen, dass die Hauptmotive für einen Urlaub in unserer Region sind: Natur erleben, dem Alltag entfliehen, Bewegung in der Natur, Zeit haben und einmal nichts tun müssen. Diese Reisemotive können wir auch ohne unser geselliges Leben erfüllen.

ML24: Bedeutet das eine Kehrtwende im Tourismus?
Thomas: In diesem Jahr mit Sicherheit. Wir haben aber bereits vor Corona ein neues Tourismuskonzept, genauer ist es eigentlich ein Entwicklungskonzept für die gesamte Region, verabschiedet, wo wir uns dafür aussprechen, dass Qualität vor Quantität stehen muss. Unsere Bestrebungen nach noch mehr Digitalisierung, verstärkter Regionalisierung und ehrlicher Ökologisierung des Tourismus und darüber hinaus bereiten wir seit mehr als einem Jahr vor. Wir sehen, dass wir mit unserem vielfältigen Angebot in unserem Lebensraum, seien es Freizeitaktivitäten, touristische Infrastruktur oder regionale Produkte einen Startvorteil haben. Unser Angebot entspricht dem Zeitgeist. Die ureigensten Motive der Sommerfrische, die ja im Salzkammergut „erfunden“ wurde, haben eine nie dagewesene Aktualität erreicht. Raus aus der Hitze der Stadt, in die Natur, barfuß mit Strohhut am See, Blumenwiese, Kontakt zur lokalen Bevölkerung und ihrer Kultur, etc. Die Sommerfrische „reloaded“ startet ab sofort.

ML24: Die Wirten öffnen - was sind die Rahmenbedingungen? Gibt es schon Rechtssicherheit?
Thomas Ebner: Für Gäste in Gastronomiebetrieben gelten grundsätzlich jene Regeln, die wir in den letzten Wochen im Alltag bereits gelernt haben. Daher Abstand, beim Betreten des Lokals einen Mund-Nasen-Schutz, maximal 4 Erwachsene inkl. deren Kinder auf einem Tisch. Es besteht keine Reservierungspflicht, jedoch bitten unsere Gastronomen darum, da dies mehr Planbarkeit garantiert. Bedanken möchte ich mich an dieser Stelle bei allen unseren Gastronomen, die die letzten Wochen durchgehalten haben und sich akribisch auf den Restart vorbereitet haben. Danke auch an die Marktgemeinde Mondsee die einer Ausweitung der Schanigärten zugestimmt hat, damit die Wirte die vorgeschriebenen Mindestabstände bei gleicher Tischanzahl einhalten können.

(Anm. v. ML24: Genaueres zu den fertigen Verordnungen so wie alle Verhaltensregeln in der Gastronomie, die ab 15.5. gelten finden sie hier)

ML24: Die Beherbergunsbetriebe dürfen aus heutiger Sicht erst am 29. Mai öffnen - warum eigentlich so spät? Und kennt man die Rahmenbedingungen schon genauer?
Thomas Ebner: Unsere Beherbergungsbetriebe sind sicherlich eine jener Branchen die am härtesten durch die Pandemie betroffen ist. Warum so spät ist eine gute Frage – die Termine für Öffnungen etc. werden von der Bundesregierung in Absprache mit einem Krisenstab getroffen. Einzelne Rahmenbedingungen sind schon bekannt, allerdings müssen diese Rahmenbedingungen, damit diese auch sicher gelten, in einer Verordnung/einem Gesetz im Bundesgesetzblatt veröffentlicht werden. Solange nichts offiziell Schriftliches vorliegt ist leider viel Spekulation dabei. Als Beispiel – die Verordnung für die Öffnungsmaßnahmen am 01. Mai wurde am 30. April um 22:02 veröffentlicht. Daher hatten alle die am 01. Mai öffnen durften exakt 2 Stunden Zeit sich vorzubereiten. Wir werden alles versuchen, damit unsere Beherbergungsbetriebe die gültigen Rahmenbedingungen früher erhalten um sich entsprechend vorzubereiten können.

ML24: Vielen Dank für den Einblick in die derzeitige Tourismussituation und deine Schilderung der Lage. Weiterhin alles Gute!

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